Einen Raketenjungen unter Beschuss bauen: Einblicke eines ehemaligen Animators
In einer dramatischen Wendung der Ereignisse gerät das Videospielstudio Build a Rocket Boy unter der Leitung des ehemaligen Rockstar-Produzenten Leslie Benzies und des Co-CEO Mark Gerhard nach einer Klage seiner gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter in die Kritik. Die Klage wirft dem Studio vor, Überwachungssoftware auf den Arbeitsgeräten installiert und damit gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen zu haben.
Einblicke von Chris Wilson: Ehemaliger Animator packt aus
Chris Wilson, ein Animator mit über 20 Jahren Erfahrung und sechs Jahren bei Build a Rocket Boy, hat seine Erfahrungen in einem ausführlichen Interview mit Kotaku geteilt. Wilson hat sich deutlich zu den Führungsproblemen im Studio und deren schädlichen Auswirkungen auf den kreativen Prozess hinter dem Spiel MindsEye geäußert.
Wilson äußerte sich äußerst unzufrieden über das Management des Studios, insbesondere über Mark Gerhard. Er kritisierte die angewandten Überwachungsmethoden, die seiner Meinung nach eine eklatante Missachtung des Wohlergehens der Angestellten offenbarten.„Die Teramind-Überwachung und der eklatante Mangel an Respekt gegenüber den Mitarbeitern … das war für mich der endgültige Todesstoß“, erklärte Wilson und verdeutlichte damit seine Motivation, seine Bedenken öffentlich zu machen.
Sabotagevorwürfe: Die Reaktion des Studios
Wilson ging auch auf die anhaltenden Behauptungen von Gerhard und Benzies ein, Build a Rocket Boy sei Ziel einer gezielten Sabotagekampagne gewesen, die das Studio angeblich 1, 1 Millionen Dollar gekostet habe. Diese Anschuldigungen sorgen seit mehreren Monaten für Kontroversen. Die Studioleitung behauptet, Beweise für diese Darstellung zu besitzen, die laut Wilson jedoch bei der Präsentation vor den Mitarbeitern in einer Besprechung wenig überzeugend wirkten. Er erinnerte sich daran, wie Benzies Hassmails vorlas, die dem YouTuber Cyber Boi zugeschrieben wurden und die das Studio als Teil der angeblichen Verschwörung gegen sie bezeichnet.„Diese E-Mails lesen sich wie Chats in League of Legends. Das wirkte in keiner Weise wie ein ausgeklügelter Plan im Wert von mehreren Millionen Dollar“, erklärte Wilson und wies die Glaubwürdigkeit der Behauptungen weiter zurück.
Personalabbau: Beeinflusst eine Umfrage die Entscheidung?
Im Zusammenhang mit den jüngsten Entlassungen im Studio äußerte Wilson Bedenken hinsichtlich des Entscheidungsprozesses bezüglich der betroffenen Personen. Er vermutete, dass dieser durch eine interne Umfrage beeinflusst wurde, die offenbar gezielt Mitarbeiter mit ungünstigen Antworten betraf. Dies wirft Fragen nach der Fairness und Transparenz der Entscheidungen der Führungsebene auf.
Nachdem ein Publishing-Vertrag mit IO Interactive aufgrund der enttäuschenden Leistungen von MindsEye scheiterte, überarbeitete das Studio ein herunterladbares Inhaltslevel (DLC), das auf der angeblichen Sabotagegeschichte basierte. Das Level mit dem Titel „ Blacklisted “ wurde von Gerhard als Originalgeschichte beschrieben, die von den fiktiven Erlebnissen des Studios inspiriert war. Wilson wies jedoch auf den Einfluss einer internen Umfrage auf die Entlassungen hin und deutete an, dass diese die Entscheidung über die Betroffenen beeinflusst haben könnte.
Crunch-Kultur und Mitarbeitermotivation: Ein anhaltendes Problem
Wilson hob die berüchtigte Crunch-Kultur des Studios hervor und betonte die exzessiven Arbeitszeiten auf Anweisung der Führungsebene.„Acht Stunden waren das Minimum, aber die Leute haben definitiv viel mehr geleistet… Die Cinematic-Abteilung arbeitete sechs bis neun Monate lang unter Hochdruck “, erklärte er und verglich dies mit früheren Arbeitsbedingungen, die die Angestellten bis an ihre Grenzen brachten. Dieser Aspekt der Studiokultur ist ein zentraler Kritikpunkt, wie fast 100 Mitarbeiter von „Build a Rocket Boy“ in einem offenen Brief dokumentierten, in dem sie Reformen forderten.
Offizielle Stellungnahmen von Build a Rocket Boy
Als Reaktion auf Wilsons Behauptungen veröffentlichte Build a Rocket Boy zwei Stellungnahmen. Die erste, Gerhard zugeschrieben, verteidigte das Vorgehen des Studios und betonte die Einhaltung von Gesetzen und internen Richtlinien zum Schutz von Mitarbeitern und geistigem Eigentum. In der Stellungnahme wurde zudem das Engagement für qualitativ hochwertige Spielerlebnisse unterstrichen und die Priorität der Spieleentwicklung gegenüber öffentlichen Auseinandersetzungen hervorgehoben.
„Build A Rocket Boy hat seine Geschäfte stets rechtmäßig und angemessen geführt… wir ziehen es vor, unvergessliche Erlebnisse im Spiel zu schaffen, anstatt billige Unterhaltung für die Szene zu bieten.“
Die zweite Stellungnahme des Kommunikationsteams bekräftigte die rechtmäßige Arbeitsweise des Studios und den Stolz auf sein Team, während gleichzeitig jegliche Vorwürfe des Fehlverhaltens zurückgewiesen wurden. Die anhaltende Berichterstattung um MindsEye wurde als Lärm dargestellt, der das wahre Potenzial des Projekts überschattet.
„Build A Rocket Boy hat sich stets absolut rechtmäßig und angemessen verhalten… Wenn kreative Arbeit den Durchbruch schafft, zieht sie Spieler, Kritiker, Theorien, Debatten und, das Beste von allem, die Art von Mega-Fans an, die uns daran erinnern, warum wir das Ganze überhaupt entwickelt haben.“
Fazit: Ein Team, das inmitten von Herausforderungen nach Exzellenz strebt
Wilson hob das Engagement des Entwicklerteams von Build a Rocket Boy hervor und argumentierte, dass die Vorwürfe der Mitarbeitersabotage nicht nur unbegründet, sondern auch im Widerspruch zu den Interessen des Teams stünden.„Trotz aller Höhen und Tiefen während der Entwicklungsphase von MindsEye hat das Entwicklerteam alles in seiner Macht Stehende getan und sich mit aller Kraft bemüht, etwas ganz Besonderes zu schaffen“, bekräftigte er.
Während das Studio mit den komplexen Herausforderungen von Führung und öffentlicher Wahrnehmung zu kämpfen hat, dürfte die eigentliche Wahrheit weniger in Sabotage, sondern vielmehr in einem Managementteam liegen, das Schwierigkeiten hat, Kreativität zu fördern. Untersuchungen dieser Behauptungen könnten zwar weitere Beweise liefern, doch in der Spielebranche sind es oft die einfachsten Wahrheiten, die am meisten Gewicht haben. Letztendlich stehen die Entwickler im Mittelpunkt, die unermüdlich daran arbeiten, fesselnde Spielerlebnisse zu schaffen.
Weitere Einzelheiten können Sie im Originalbericht hier einsehen.
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