Die Turbulenzen um Apples KI-Hardwarestrategie scheinen ebenso gravierend zu sein wie die Herausforderungen im Softwarebereich. Dies hat den Technologiekonzern aus Cupertino gezwungen, sich zunehmend auf Googles Server und dessen leistungsstarkes Gemini-Modell zu stützen, um die mit Spannung erwarteten Siri-Updates einzuführen. Angesichts dieser Umstände könnte die Entwicklung von Apples proprietärem Baltra-ASIC dem Unternehmen einen entscheidenden Weg eröffnen, seine Abhängigkeit von Google zu verringern.
Internes Chaos: Apples KI-Server weitgehend unterausgelastet
Jüngste Berichte von The Information enthüllen beunruhigende Einblicke in Apples KI-Infrastruktur: Unglaubliche 90 Prozent der Rechenkapazität der privaten Cloud des Unternehmens lagern ungenutzt. Diese schwache Performance liegt weit unter den ursprünglichen Prognosen und spiegelt eine erhebliche Diskrepanz zwischen Apples Ambitionen und den tatsächlichen Fortschritten im Bereich seiner KI-Angebote wider.
Im Rahmen von Apples Private Cloud Compute werden einfache KI-Prozesse direkt auf dem Gerät ausgeführt und nutzen dessen eigene Rechenkapazität. Komplexere Aufgaben hingegen greifen auf Apples private Cloud-Server zurück und verwenden verschlüsselte und zustandslose Daten. Leider hat sich dieses Modell nicht in einer effizienten Implementierung bewährt. Quellen zufolge werden derzeit nur 10 Prozent der Cloud-Computing-Ressourcen von Apple aktiv genutzt.
Erschwerend kommt hinzu, dass Apples aktuelle KI-Architektur fragmentiert ist. Verschiedene Teams im Unternehmen nutzen unterschiedliche Technologie-Stacks anstelle eines einheitlichen Systems. Diese mangelnde Organisation beeinträchtigt nicht nur die Effizienz, sondern führt aufgrund redundanter Strukturen auch zu erheblichen Kostenüberschreitungen. Daher greift Apple nun auf Googles Server zurück, um die Entwicklung einer erweiterten Siri-Version zu unterstützen.
Im Rahmen seiner kontinuierlichen Weiterentwicklungen plant Apple die Einführung einer überarbeiteten Siri-Version mit neuen In-App-Funktionen, Kontextbewusstsein und der Möglichkeit zur Interaktion mit Bildschirminhalten. Diese kommende Version soll Siri befähigen, ein breiteres Aufgabenspektrum auszuführen. Möglich macht dies ein speziell entwickeltes KI-Modell namens Foundation Models Version 10 mit beeindruckenden 1, 2 Billionen Parametern.
Zusammen mit dem iOS-27-Update plant Apple die Einführung eines eigenen Siri-Chatbots. Dieser soll auf Googles TPUs und Cloud-Infrastruktur basieren, bleibt aber weiterhin im Besitz von Apple. Das Unternehmen versichert den Nutzern, dass diese Partnerschaft die strengen Datenschutzrichtlinien nicht beeinträchtigt.
Mark Gurman von Bloomberg berichtet, dass sich dieser Chatbot nahtlos in Apples Software-Ökosystem integrieren wird und nicht als eigenständige Anwendung erscheint. Nutzer können erweiterte Funktionen erwarten, darunter Websuche, Content-Erstellung, Unterstützung beim Programmieren, Zusammenfassungen, Analysen und Datei-Uploads. Der Chatbot nutzt persönliche Daten, um seine Funktionalität zu verbessern, ergänzt durch eine optimierte Suchfunktion. Er kann außerdem auf geöffnete Fenster zugreifen und Geräteeinstellungen anpassen.
Der kommende Chatbot wird eine weiterentwickelte Version des Gemini-Modells von Google nutzen, intern bekannt als Apple Foundation Models Version 11. Laut Gurman soll dieses Modell mit Gemini 3 konkurrieren und im Vergleich zur Version, die das überarbeitete Siri unterstützt, erweiterte Funktionen bieten.
Vorstellung des Baltra-ASICs von Apple
Im Frühjahr 2024 tauchten Berichte auf, wonach Apple mit Broadcom an der Entwicklung seines ersten KI-Serverchips mit dem Codenamen Baltra arbeitet. Es wird vermutet, dass dieser Chip TSMCs fortschrittliches 3-nm-Fertigungsverfahren „N3E“ nutzen wird und die Designphase innerhalb der nächsten zwölf Monate abgeschlossen sein soll.
Laut Informationen von The Information könnte der Baltra-Chip aus mehreren Chiplets bestehen, die jeweils für spezifische Funktionen ausgelegt sind. Diese Modularität würde es Apple ermöglichen, diese Komponenten in einer einzigen Einheit zu vereinen und gleichzeitig eine optimierte Kommunikation zwischen den Prozessoren zu gewährleisten. Die Gesamtarchitektur könnte sogar vor Kooperationspartnern wie Broadcom geheim gehalten werden.
Wie bereits berichtet, wurde Foxconn als Partner für die Herstellung der zugehörigen Servereinheiten ausgewählt, wobei auch Lenovo und seine Tochtergesellschaften Unterstützung bei der Entwicklung leisten.
Angesichts der seit Langem bestehenden Serverprobleme bei Apple könnte die erfolgreiche Einführung von Baltra-basierten Servern entscheidend sein, um die betrieblichen Ineffizienzen des Unternehmens zu beheben und die Abhängigkeit von Google zu verringern. Apple hat bereits angedeutet, dass die Zusammenarbeit mit Google im Bereich KI-Lösungen nur vorübergehend sein wird. Derzeit wird mit einem flächendeckenden Einsatz dieser Baltra-basierten Server um 2027 oder 2028 gerechnet.
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