Obsidian Entertainment hat sich mit gefeierten Titeln wie Fallout: New Vegas und Pillars of Eternity einen festen Platz in den Herzen von Rollenspielfans erobert. Dieses Jahr war besonders ereignisreich für das zu Microsoft gehörende Studio, das neben dem mit Spannung erwarteten The Outer Worlds 2 auch Avowed und Grounded 2 erfolgreich veröffentlicht hat.
Das 2019 erschienene The Outer Worlds markierte Obsidians Rückkehr zum First-Person-RPG-Genre nach fast einem Jahrzehnt. Angesiedelt in einer humorvollen Geschichte in einem von Megakonzernen beherrschten Sternensystem, erntete das Spiel trotz seines überschaubaren Umfangs Lob für seine liebenswerten Charaktere, unterhaltsamen Quests und seine bissige Satire. Nun, mit der Unterstützung von Microsoft, verspricht Obsidian in der Fortsetzung ein erweitertes Spielerlebnis und will alle Aspekte, die die Fans liebten, noch verbessern. Nach eingehendem Testen von The Outer Worlds 2 scheint dieses Ziel erreicht worden zu sein, doch die Frage bleibt: Führt das zu einem besseren Spielerlebnis? Finden wir es heraus.
Neues Gameplay in einem bekannten Universum
Die Fortsetzung unterscheidet sich deutlich von ihrem Vorgänger und versetzt die Spieler in die Rolle eines offiziellen Agenten des Erddirektorats. Diese Fraktion vertritt die Menschheit in fernen Kolonien und lässt die Spieler in einen neuen Sektor der hyperkonsumierenden Galaxie namens Arcadia eintauchen. Die Einführungssequenz dient gleichzeitig als Tutorial und entführt die Spieler in dieses skurrile und absurde Universum.
Die Charaktererstellung bietet zwar umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten für das Aussehen, ist aber dennoch übersichtlich gestaltet und ermöglicht so eine schnelle persönliche Note. Eine Third-Person-Perspektive sorgt für mehr Abwechslung im Spiel, während die First-Person-Perspektive besonders für Shooter-Fans geeignet ist. Das Wesen von Rollenspielen liegt jedoch darin, wie Spieler ihre Charaktere formen können, und The Outer Worlds 2 glänzt mit einer Vielzahl an Hintergründen, Eigenschaften und Fähigkeiten, die das Gameplay maßgeblich beeinflussen.

Ein häufiger Kritikpunkt an Rollenspielen ist die Einschränkung durch Skill-Builds, die sich stark auf bestimmte Fähigkeiten konzentrieren und Spieler oft von umfangreichen Inhalten ausschließen. Selbst mit einem Charakter, der auf Überredung spezialisiert ist, stieß ich auf Hindernisse, die durch bestimmte physische oder technische Fertigkeiten verwehrt blieben. Das Spiel bietet jedoch genügend alternative Wege und Lösungen, sodass sich kein Spielstil völlig ausgeschlossen fühlt und Spieler sowohl einen fähigen Charakter als auch einen Außenseiter verkörpern können.
Je tiefer ich in die Geschichte eintauchte, desto mehr riesige Gebiete öffneten sich mir durch eine Reihe von Katastrophen zur Erkundung. Jeder Planet bot dabei seine eigene, detailreich gestaltete Umgebung anstelle einer einzigen, zusammenhängenden Karte. Dieses System, das in Obsidians vorherigem Werk „Avowed“ zunächst befremdlich wirkte, fügt sich hier organischer ein und harmoniert hervorragend mit dem Science-Fiction-Hintergrund des Spiels.

Ich ließ die Hauptquest vorübergehend beiseite und vertiefte mich in die komplexe Geschichte und die aktuellen Ereignisse der Galaxis. Als ich die Folgen eines brutalen Krieges miterlebte, stieß ich auf Gruppierungen wie „Tantes Wahl“ – einen satirischen Megakonzern, der von unerbittlichem Profitstreben getrieben wird und von exzentrischen, erfolgsbesessenen Charakteren bevölkert ist. Der sektenähnliche Orden des Aufgestiegenen hingegen versucht, Unsicherheit durch eine gewaltige Gleichung zu beseitigen und zieht dabei Parallelen zu theoretischen Konzepten aus wegweisenden Werken wie „ Per Anhalter durch die Galaxis“ und Asimovs „ Foundation“.

Der Konflikt zwischen diesen Fraktionen durchdringt das gesamte Spiel und prägt Interaktionen und Quests. Ich hatte die Freiheit, eine Seite zu unterstützen oder dem eskalierenden Machtkampf gleichgültig gegenüberzustehen. Jenseits des Chaos offenbaren viele Charaktere tiefere Schichten, was diplomatische Lösungen oder die offene Vernichtung ermöglicht und die Flexibilität des Spiels im Verlauf der Situationen verdeutlicht.
Obsidians unverkennbarer Humor wertet selbst alltägliche Quests auf. Ob man nun um eine skurrile Belohnung feilscht oder einen unerwarteten Verbündeten um Hilfe bittet – die Dialoge sind so fesselnd und lebendig, dass sich auch stundenlanges Erkunden lohnend anfühlt.

Fesselnde Gameplay-Funktionen
Mit einer vielfältigen Auswahl an Planetenumgebungen entdecken Spieler ein reichhaltiges Spektrum an Schauplätzen – von verlassenen Raumstationen über üppige Höhlensysteme bis hin zu kargen Ödlanden, die allesamt unzählige Erkundungsmöglichkeiten bieten. Selbst in meinen 30 Spielstunden fand ich neue Charaktere und Spielmechaniken, die das Spielerlebnis deutlich erweiterten.
Dieses umfangreiche Abenteuer tat der Qualität der Quests und der Story keinen Abbruch; im Gegenteil, es blühte mit einer Vielzahl an Aufgaben auf – von fragwürdigen Verhandlungen bis hin zur Lösung von Konflikten. Ein besonderes Highlight ist das aus dem Originalspiel bekannte Schwächensystem, das dem Gameplay eine faszinierende Ebene der Komplexität verleiht. Spieler können Schwächen bewusst annehmen, die sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringen und so die Charakterentwicklung weiter vorantreiben.

Während die Spieler die Galaxie bereisen, werden Begleiter zu einem unverzichtbaren Bestandteil ihrer Reise. Jeder Charakter bringt seine eigenen Motivationen und Perspektiven ein und beeinflusst so Interaktionen und Entscheidungen. Das Zusammenspiel der Charaktere verleiht der Geschichte eine dynamische Dimension und fesselt die Spieler auch in spannenden Momenten.

Darüber hinaus verstärkt das Spiel das immersive Erlebnis durch ein integriertes Radio. Anders als herkömmliche Soundtracks bietet dieses Radio originelle Jingles und Nachrichtensendungen, die das Gameplay bereichern und stundenlanges Erkunden und Sammeln noch angenehmer gestalten.

Trotz der gelungenen RPG-Elemente neigen manche Kampfszenarien zu einer übertriebenen Schadensresistenz der Gegner, was die Dynamik des Geschehens beeinträchtigen kann. Anpassungen in diesem Bereich könnten den Spielspaß im Kampf deutlich steigern.
Atemberaubende Grafik und Leistung
In puncto Grafik besticht The Outer Worlds 2 durch einen beeindruckenden Detailgrad in seinen weitläufigen Landschaften und der raffinierten Gestaltung. Von den liebevoll gestalteten Umgebungen bis hin zu den flüssigen Animationen wirkt alles makellos und fängt die Essenz einer Science-Fiction-Welt überzeugend ein.
Sprachausgabe und Umgebungsgeräusche bereichern die Atmosphäre und untermalen die Interaktionen der Spieler sowie die Spielhandlung. Obwohl das Spiel keine bahnbrechende Technologie einführt, besticht es durch ein vertrautes und dennoch fesselndes visuelles Erlebnis, das dank effizienter Shader-Kompilierung weitgehend ruckelfrei ist.
Dennoch kann die Leistung schwanken, insbesondere bei High-End-Systemen. Meine AMD Radeon RX 9070 XT erforderte Anpassungen in den Grafikeinstellungen, um stabile Bildraten bei 1440p zu erreichen. Trotz ihrer ansprechenden Optik ist die Optimierung verbesserungsbedürftig, insbesondere im Hinblick auf Raytracing-Funktionen, die zu Leistungseinbrüchen führen können.

Wie bei vielen umfangreichen Spielen treten auch hier Bugs auf. Kleinere Fehler sind zwar üblich, doch einige kritische Probleme, wie beispielsweise das Nichtspeichern des Spielfortschritts, können den Spielspaß erheblich beeinträchtigen. Glücklicherweise sind solche Vorfälle selten und lassen sich durch ein Neuladen der Seite beheben.
Schlussbetrachtung
Mit seinem herausragenden Rollenspieldesign, den fesselnden Geschichten und der komplexen Charakterentwicklung zählt The Outer Worlds 2 zu den besten Rollenspielen der letzten Jahre. Die Entscheidungen der Spieler beeinflussen den Spielverlauf auf eine Weise, die an klassische Rollenspielelemente anknüpft und die Grenzen der erzählerischen Tiefe erweitert.
Trotz einiger Performance-Schwächen, insbesondere bei der Gegnermechanik und gelegentlichen Bugs, bleibt das Spielerlebnis insgesamt äußerst lohnend. Die dynamischen Begleiter, die clever integrierten Funkfunktionen und das gelungene Schwächensystem schaffen ein immersives Erlebnis, das an die Klassiker erinnert und das Spiel zu einem würdigen Nachfolger seines Vorgängers macht.
The Outer Worlds 2 ist aktuell für PC über Steam und den Microsoft Store sowie für Xbox Series X|S und PlayStation 5 zum Preis von 69, 99 US-Dollar erhältlich. Es ist außerdem in den Abonnements für Xbox Game Pass Ultimate und PC Game Pass enthalten.
Dieser Test wurde anhand der von Microsoft bereitgestellten PC-Version des Spiels durchgeführt.
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