Wirtschaftsspionage kann ein äußerst komplexes Thema sein, insbesondere wenn große Technologiekonzerne wie Google involviert sind. Die Brisanz der Angelegenheit steigt erheblich, wie die jüngste Anklage gegen drei Ingenieure im Silicon Valley verdeutlicht, denen nun schwere rechtliche Konsequenzen drohen, weil sie angeblich versucht haben, Geschäftsgeheimnisse im Zusammenhang mit Googles Tensor-Chip zu stehlen.
Anklage gegen zwei Schwestern und einen Schwager wegen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen
Laut einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft des nördlichen Bezirks von Kalifornien werden Samaneh Ghandali, Mohammadjavad Khosravi und Soroor Ghandali in mehreren Anklagepunkten beschuldigt. Dazu gehören die Verschwörung zum Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen von Google und einem weiteren führenden Technologieunternehmen, der Diebstahl und der versuchte Diebstahl sensibler Informationen sowie die Behinderung der Justiz.
Die drei Verdächtigen wurden am Donnerstag festgenommen und erschienen erstmals vor Gericht in San Jose. Samaneh und Soroor Ghandali sind Schwestern und arbeiteten beide zuvor bei Google; Samaneh als Hardware-Ingenieurin, Soroor als Praktikantin. Nach ihrer Zeit bei Google wechselten sie zu einem anderen, nicht namentlich genannten Unternehmen – in den Gerichtsakten als Firma 3 bezeichnet. Mohammadjavad Khosravi, Samanehs Ehemann, arbeitete bei einem anderen Unternehmen, Firma 2, und hatte sich zuvor mehrfach erfolglos bei Google beworben.
Die Anklageschrift enthüllt, dass die Angeklagten mutmaßlich sensible Dokumente, darunter Geschäftsgeheimnisse zu Prozessorsicherheit, Kryptografie und weiteren Technologien, abgerufen, übertragen und exfiltriert haben. Diese Dokumente wurden auf nicht autorisierte Drittanbieterplattformen und private Geräte übertragen, einige gelangten sogar in den Iran.
Konkret werden die Schwestern beschuldigt, hunderte firmeneigene Dateien, darunter Geschäftsgeheimnisse von Google, an Drittanbieter-Kommunikationskonten übertragen zu haben. Laut Anklageschrift wurden diese sensiblen Dateien anschließend auf verschiedene private Geräte kopiert, darunter Khosravis Arbeitsgerät bei Firma 2 und Soroors Arbeitsgerät bei Firma 3.
Um ihre Taten zu vertuschen, versuchten die Täter Berichten zufolge, die betroffenen Unternehmen durch die Einreichung falscher eidesstattlicher Erklärungen zu täuschen und jegliche digitale Spuren der gestohlenen Daten zu verwischen. In der Anklageschrift wird zudem ausgeführt, dass sie sogar Fotos der Bildschirmdokumente anfertigten, anstatt die vollständigen Dateien digital zu kopieren.
In der Anklageschrift heißt es:
„In der Nacht vor der Reise von Samaneh Ghandali und Khosravi in den Iran im Dezember 2023 soll Samaneh Ghandali mit ihrem Mobiltelefon etwa 24 Fotos des Bildschirms von Khosravis Arbeitscomputer angefertigt haben, die Geschäftsgeheimnisse von Unternehmen 2 enthielten. Während ihres Aufenthalts im Iran griff ein mit Samaneh Ghandali in Verbindung stehendes privates Gerät auf diese Fotos zu, und Khosravi griff auf weitere Geschäftsgeheimnisse von Unternehmen 2 zu.“
Die Verbindung zu Googles Tensor-Chip und dessen „Prozessorsicherheit und Kryptografie“ deutet auf eine mögliche Verbindung zum Sicherheits-Coprozessor Titan M2 hin. Dieser schützt Nutzerdaten und ist neben dem Tensor G3-Chip ab Oktober 2023 in den kürzlich erschienenen Modellen Pixel 8 und Pixel 8 Pro verbaut. Der neue Chip verfügt über einen dedizierten Tensor-Sicherheitskern, der sensible Aufgaben in einer sicheren Umgebung ausführt. Die Vorfreude auf den kommenden Tensor G6, der laut aktuellen Berichten den neuen Sicherheits-Coprozessor Titan M3 integrieren soll, wächst bereits.
Angesichts der Verbindungen der Angeklagten zum Iran und ihres mutmaßlichen Interesses an Googles Kryptografie-Frameworks wird spekuliert, ob sie als Informanten für den iranischen Geheimdienst oder mit ihm verbundene Organisationen wie die Revolutionsgarden (IRGC) tätig waren. Weitere Entwicklungen im Verfahren werden hierzu Aufschluss geben.
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