Kürzlich musste Intrepid Studios, die kreativen Köpfe hinter dem per Crowdfunding finanzierten Fantasy-MMORPG Ashes of Creation, einen plötzlichen Zusammenbruch hinnehmen, was Unterstützer und Fans nur zwei Monate nach dem Start des Spiels im Steam Early Access fassungslos zurückließ.
Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Probleme des Studios keineswegs plötzlich auftraten. Der YouTuber NefasQS, bekannt als Casper, interviewte den Hauptinvestor Jason Caramanis. Caramanis wirft Steven Sharif, dem Gründer und Kreativdirektor von Intrepid Studios, einen umfassenden Betrug vor. Der ehemalige Unternehmer im Multi-Level-Marketing, der mit Jeunesse Global in Verbindung stand, behauptet, durch seine Investitionen in das Projekt unglaubliche 12, 5 Millionen US-Dollar verloren zu haben, da er Sharifs gebrochenen Versprechungen vertraute.
Ein Lügengeflecht
Im Zentrum von Caramanis‘ Anschuldigungen steht eine schockierende Behauptung: Steven Sharif soll kein eigenes Geld in Intrepid Studios investiert haben, obwohl er behauptet, zwischen 30 und 60 Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt zu haben. Belege aus QuickBooks-Abrechnungen, die Caramanis vorlegte, zeigen, dass Sharif und Finanzchef John Moore jährlich jeweils 500.000 Dollar Gehalt bezogen, ohne dabei eigene Investitionen zu tätigen.
Nachverfolgung der Gelder
Obwohl Berichten zufolge Intrepid Studios zwischen 109 und 115 Millionen US-Dollar einnahm, geht Caramanis davon aus, dass die tatsächliche Summe bis zu 140 Millionen US-Dollar betragen könnte, wenn man Gelder aus Kickstarter -Kampagnen, Kredite und diverse private Investitionen mit einbezieht. Dazu gehört auch eine Beteiligung von 2 Millionen US-Dollar von Tom Alkazin, einem Bekannten der Familie, der seine gesamten Ersparnisse in das Spiel investierte. Alkazin ist bekanntermaßen in Schneeballsysteme verwickelt und wurde aufgrund seiner Geschäftspraktiken bereits rechtlich belangt.
Erschwerend kommt hinzu, dass Robert Dawson, ein prominenter Investor, der Berichten zufolge zwischen 2022 und 2025 rund 80 Millionen Dollar beigesteuert hat und ursprünglich von Caramanis an Sharif vermittelt wurde, ebenfalls eine Rolle spielt.
Mangelnde Aufsicht und Transparenz
Caramanis wirft Sharif vor, fast ein Jahrzehnt lang seine Pflichten zur Vorlage von Finanzunterlagen, darunter Steuererklärungen und QuickBooks-Daten, ignoriert zu haben. Obwohl ihm ein Sitz im Aufsichtsrat versprochen worden sei, habe er nach eigenen Angaben nie an einer Aufsichtsratssitzung teilgenommen, da keine einberufen worden seien.
„Wissen Sie, wie viele Vorstandssitzungen ich besucht habe? Keine. Wissen Sie, wie viele er jemals einberufen hat? Keine.“
Selbst eine Klage auf Akteneinsicht blieb für Caramanis erfolglos. Die entscheidenden QuickBooks-Daten erhielt er erst kurz vor einer Live-Übertragung dank Dawsons Buchhalter.
Das Kartenhaus
Die extravagante Villa in Kalifornien, von der aus Sharif regelmäßig über die Entwicklung des Spiels berichtete, wurde zum Symbol des mutmaßlichen Betrugs. Caramanis behauptet, Sharif habe die Immobilie entgegen der Annahme des Eigentums zunächst gemietet und die Anzahlung für den späteren Kauf sei aus Firmengeldern erfolgt. Es handelte sich dabei um genau die Gehälter, die sie als Verluste der Investoren geltend machten.
Im Jahr 2024 kam es zu einer Krise, als die Hypothek des ursprünglichen Eigentümers fällig wurde. Da Sharif aufgrund bestehender Sicherheiten nicht refinanzieren konnte, wandte er sich erneut an seine Investoren. Berichten zufolge brachten Caramanis und Dawson weitere 2 Millionen Dollar auf, um die Zwangsversteigerung abzuwenden.
Finanzkrise bei Intrepid Studios
Berichten zufolge geriet Intrepid Studios bis 2025 in rapide finanzielle Schwierigkeiten. Die monatlichen Betriebskosten stiegen auf über 2, 5 Millionen US-Dollar, während die Einnahmen aus In-Game-Verkäufen zwischen 150.000 und 200.000 US-Dollar schwankten, was zu erheblichen und anhaltenden Defiziten führte. Diese untragbare Situation machte deutlich, dass selbst Dawsons beträchtliche finanzielle Beiträge für ein langfristiges Überleben nicht ausreichten.
Ende 2024 traten die finanziellen Missstände offenkundig zutage, als mehrere Mitarbeiter um den Zeitpunkt der Veröffentlichung von Alpha 2 herum keine Gehaltszahlungen erhielten. Auch die versprochenen Boni wurden nicht eingehalten, sodass viele Mitarbeiter leer ausgingen.
Die Probleme verschärften sich, als SADA Systems Intrepid Studios wegen unbezahlter Cloud-Dienste auf über 852.000 US-Dollar verklagte. Dieser juristische Druck verdeutlichte die zunehmenden finanziellen Schwierigkeiten des Studios zusätzlich.
Der Untergang
Angesichts steigender Verluste schlug Robert Dawson Anfang 2026 einen Restrukturierungsplan vor, der drastische Kürzungen zur Sanierung der Finanzen vorsah. Sharif lehnte diesen Vorschlag jedoch kategorisch ab und forderte sofortige Beteiligungen, ohne selbst finanziell beigetragen zu haben. Nach gescheiterten Verhandlungen gipfelte Sharifs Vorgehen in einem folgenschweren Verrat.
Ende Januar 2026 soll Sharif einen Plan ausgeheckt haben, der das Unternehmen vollständig ruinieren sollte. Indem er rund 3, 7 Millionen US-Dollar der für die Gehaltszahlungen vorgesehenen Steam-Einnahmen zur Begleichung seiner Kredite bei der Commerce Bank umleitete, trieb er Intrepid Studios faktisch in den Konkurs.
Die menschlichen Kosten
Die finanziellen Folgen dieser Ereignisse sind nur die Spitze des Eisbergs. Für Investoren wie Tom und Bethany Alkazin, die ihre gesamten Ersparnisse riskierten, sind die Verluste unüberwindbar. Auch Caramanis sprach offen über seine emotionalen Probleme und gab zu, zutiefst beunruhigt zu sein. Mitarbeiter, die sich dem Traum von Ashes of Creation verschrieben hatten, wurden im Chaos einfach fallen gelassen.
Die Zukunft des Spiels
Da Dawson durch ein Zwangsvollstreckungsverfahren nun die Kontrolle über die geistigen Eigentumsrechte des Spiels erlangt hat, stehen zahlreiche Klagen gegen Sharif und seine Komplizen bevor. Caramanis behauptet, über umfangreiches Beweismaterial, darunter Nachrichten und Finanzunterlagen, zu verfügen, um seine Betrugsvorwürfe zu untermauern.
„Ich sage nichts, was über Steven verleumderisch oder ehrverletzend wäre. Er ist ein pathologischer, verrückter Lügner.“
Trotz dieser Behauptungen bleibt es ungewiss, ob die Entwicklung des Spiels fortgesetzt wird. Dawson soll angeblich bestrebt sein, das Projekt voranzutreiben, doch das technische Team zögert, mit ihm zusammenzuarbeiten, was auf eine tiefe Kluft aufgrund von Sharifs früheren Handlungen hindeutet.
Die abschließende Betrachtung
Die Träume leidenschaftlicher Gamer und hoffnungsvoller Investoren wurden durch ein scheinbar katastrophales Scheitern, dessen Ursache in Täuschung und Missmanagement liegt, zunichte gemacht. Die sich entfaltende Geschichte von Ashes of Creation dient als ernüchternde Mahnung an die Bedeutung von Verantwortlichkeit und Transparenz in der Spielebranche.
Steven Sharif hat sich zu diesen schwerwiegenden Vorwürfen noch nicht öffentlich geäußert, doch die Öffentlichkeit bleibt angesichts der weiteren Entwicklungen in Alarmbereitschaft. Mit Beginn des Gerichtsverfahrens steht das Schicksal des Projekts – und das Vertrauen der Beteiligten – auf dem Spiel.
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