Ubisofts mutiger Wandel: Projektstornierungen, Unternehmensumstrukturierung und Zukunftspläne
Ubisoft hat mit seiner jüngsten Ankündigung, die die Einstellung von sechs Projekten, darunter das mit Spannung erwartete Remake von Prince of Persia: Sands of Time, beinhaltet, für erhebliches Aufsehen in der Spielebranche gesorgt. Darüber hinaus gab das Unternehmen bekannt, die Veröffentlichung von sieben weiteren Spielen zu verschieben und seine Geschäftsbereiche umfassend in fünf eigenständige Kreativhäuser umzustrukturieren. Um diesen ambitionierten Wandel zu unterstützen, erwägt Ubisoft weitreichende Maßnahmen wie weitere Entlassungen, die verstärkte Rückkehr ins Büro und erhöhte Investitionen in sogenannte „Spitzentechnologien“, insbesondere im Bereich der generativen KI.
Neue Betriebsstruktur: Kreativagenturen und Kerndienstleistungen
Die Organisationsstruktur von Ubisoft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Die Integration der fünf Creative Houses unter dem Dach der Ubisoft-Zentrale dezentralisiert die Abläufe und verleiht jedem Haus eigenständige Finanzhoheit und kreative Kontrolle über seine jeweiligen Markenrechte. Jedes Creative House wird durch ein Creative Network von Studios unterstützt, das die Produktion optimieren soll, während Core Services die notwendige Unterstützung gewährleistet.

Hinter den Kulissen nimmt Ubisoft jedoch wichtige interne Anpassungen vor, die für die erfolgreiche Einführung des neuen Systems als notwendig erachtet werden. Das Unternehmen hat bereits eine bedeutende Veränderung eingeleitet: weitere Entlassungen. Laut Pressemitteilung hat der Konzern im Rahmen seiner Bemühungen, die Abläufe zu optimieren und sich an die sich verändernden Marktbedingungen anzupassen, bereits entscheidende Maßnahmen ergriffen, um seine Studiostruktur zu verkleinern. Dies umfasst die Schließung des Mobile-Studios in Halifax und des Standorts Stockholm sowie Umstrukturierungsmaßnahmen in Abu Dhabi, bei RedLynx und Massive.
Zukünftige Entlassungen und finanzielle Ziele
Die Entlassungswelle dürfte anhalten, da das Unternehmen am 12. Februar 2026 weitere Ankündigungen im Zusammenhang mit seiner dritten und letzten Restrukturierungsphase erwartet. Mit dem Abschluss dieser Restrukturierung, der für März 2026 geplant ist, will Ubisoft durch diese Personalmaßnahmen Einsparungen von rund 200 Millionen Euro erzielen.
Rückkehrpflicht ins Amt: Eine neue politische Ära
Ergänzend zu den organisatorischen Veränderungen führt Ubisoft eine Rückkehrpflicht ins Büro ein. Diese Anordnung bedeutet das Ende der Möglichkeit zum Homeoffice als dauerhafte Option für Mitarbeiter. Stattdessen dürfen die Mitarbeiter nur noch eine begrenzte Anzahl von Tagen pro Jahr von zu Hause aus arbeiten, was im Wesentlichen Urlaub oder Krankheitstagen entspricht.
Laut Unternehmensangaben plant der Konzern, zur Unterstützung der effektiven Umsetzung und des Betriebs dieses neuen Modells wieder eine Fünf-Tage-Woche vor Ort für alle Teams einzuführen, ergänzt durch ein jährliches Kontingent an Homeoffice-Tagen. Ziel ist es, die Zusammenarbeit, den Wissensaustausch und die Dynamik innerhalb der Teams zu verbessern. Viele könnten diesen Schritt jedoch angesichts der erfolgreichen Veröffentlichung mehrerer Spiele, die in den letzten Jahren von vollständig remote arbeitenden Teams entwickelt wurden, als kontraproduktiv empfinden.
Die Auswirkungen der persönlichen Zusammenarbeit
Trotz des Drängens auf persönliche Zusammenarbeit besteht die Sorge, dass diese Vorgaben indirekt zu einer erhöhten Mitarbeiterfluktuation beitragen könnten. Vielen dürfte es schwerfallen, die Vorgabe, fünf Tage pro Woche vor Ort zu arbeiten, zu erfüllen, insbesondere wenn ein Umzug erforderlich ist. Diese Regelung könnte eher als Mittel zur Personalreduzierung denn als tatsächliche Förderung der Teamarbeit wahrgenommen werden.
Kerndienste und die Rolle der generativen KI
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Umstrukturierung von Ubisoft ist die Gründung der neuen Abteilung „Core Services “, die als „Rückgrat des Ubisoft-Ökosystems“ bezeichnet wird. Dieses Team wird sich auf die Bereitstellung skalierbarer Technologielösungen, Produktionskapazitäten und operativer Effizienz im gesamten Unternehmen konzentrieren. Zu den Aufgaben gehören Qualitätssicherung, Lokalisierung, Spieltests und Spielanalysen sowie die Verwaltung der technologischen Infrastruktur des Unternehmens, einschließlich Spiel-Engines und Online-Diensten. Die Abteilung wird sich insbesondere auch mit dem Einsatz von generativer KI im spielerorientierten Bereich befassen, wobei die genauen Details noch weitgehend offen sind.
Während sich Ubisoft auf diese Änderungen vorbereitet, sollen alle vorgeschlagenen Modifikationen im April 2026 in Kraft treten. Branchenbeobachter werden gespannt verfolgen, wie Ubisoft diese Phase des Wandels meistert, und erwarten weitere Aktualisierungen bis Ende des Jahres.