Mit der Weiterentwicklung von Betriebssystemen steigt auch die Anzahl der Hintergrunddienste. Diese Dienste beanspruchen zwar möglicherweise keine nennenswerten CPU-Ressourcen, können aber die Startzeit deutlich verlängern und den RAM-Verbrauch erhöhen. Open-Source-Betriebssysteme bieten Nutzern jedoch die Möglichkeit, ihre Konfiguration anzupassen, indem sie nicht benötigte Dienste deaktivieren oder entfernen. Dieser Leitfaden erklärt, wie Sie die Startzeit Ihres Linux-Systems durch das Deaktivieren überflüssiger Dienste optimieren können.
Beurteilung der Serviceauslastungszeiten
Die meisten Linux-Distributionen verwenden standardmäßig Systemd als Init-System. Systemd bietet ein hilfreiches Dienstprogramm, mit dem Benutzer die Dauer des Bootvorgangs sowie die Startzeiten der einzelnen Dienste analysieren können. Wichtig ist, dass einige Dienste gleichzeitig geladen werden; daher entspricht die gesamte Bootzeit nicht unbedingt der Summe der einzelnen Ladezeiten der Dienste.
Öffnen Sie zunächst Ihr Terminal und geben Sie folgenden Befehl ein:
systemd-analyze

Dieser Befehl gibt Aufschluss darüber, wie lange die Initialisierung des Linux-Kernels und wichtiger Systemdienste dauert, berücksichtigt aber keine Desktop-Animationen oder Ladezeiten von Benutzeranwendungen.
Wenn Sie Details zur Ladezeit der grafischen Benutzeroberfläche erfahren möchten, können Sie Folgendes verwenden:
systemd-analyze critical-chain graphical.target

Dieser Befehl zeigt die Abfolge der Dienste an, die zum Erreichen des grafischen Ziels führen. Dies ist zwar hilfreich, markiert aber lediglich einen technischen Meilenstein, da nach Erreichen dieses Punktes möglicherweise noch Hintergrunddienste geladen werden.
Abschließend sei noch der für diesen Leitfaden wichtigste Befehl genannt:
systemd-analyze blame

Dieser Befehl listet Dienste nach ihrer Startzeit auf, sodass Sie Dienste identifizieren und gezielt deaktivieren können. Sie können mit den Pfeiltasten oder den PAGE UPStrg PAGE DOWN-Tasten durch die Liste scrollen und mit der Eingabetaste qdas Beenden beenden.
Deaktivieren unnötiger Dienste mit Systemctl
Aus der bereitgestellten Analyse können Sie möglicherweise Dienste identifizieren, snapddie langsam laden, insbesondere auf herkömmlichen Festplatten, wo sich solche Verzögerungen erheblich summieren können.
Wenn Sie beispielsweise feststellen, dass der snapdfür die Verwaltung containerisierter Anwendungen zuständige Dienst für Ihre Zwecke nicht erforderlich ist, können Sie ihn deaktivieren, indem Sie Folgendes ausführen:
sudo systemctl disable snapd.service
Auch nach der Deaktivierung kann es unter bestimmten Umständen noch zu einem snapdStart kommen, da die Socket-Aktivierungsfunktion es ermöglicht, das Programm bei Bedarf unabhängig vom deaktivierten Zustand auszuführen.
Um weitere verbleibende Abhängigkeiten zu untersuchen, können Sie Folgendes ausführen:
systemd-analyze blame | grep snap

Dieser Befehl hebt alle Snap-bezogenen Komponenten hervor, die weiterhin Einfluss auf die Startzeiten haben.
Umgang mit Socket-aktivierten Diensten
Eine Reihe von Diensten, darunter auch snapd[Name des Dienstes], nutzen die Socket-Aktivierung. Diese Konfiguration ermöglicht es einem Dienst, automatisch zu starten, sobald er Kommunikationsanfragen empfängt, selbst wenn er aktuell deaktiviert ist.
snapdSollte das Problem nach dem Neustart weiterhin bestehen, liegt dies häufig an zugehörigen Einheiten wie z. B.snapd.socketoder snapd.seeded.service. In solchen Fällen empfiehlt es sich, die Dienste durch Maskierung vollständig zu blockieren.
sudo systemctl mask snapd.service sudo systemctl mask snapd.socket
Durch Maskierung wird der Start des Dienstes effektiv verhindert. Vorsicht ist jedoch geboten, insbesondere bei Distributionen, die Snap für die Systemverwaltung oder Anwendungsinstallation verwenden.
Es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Deaktivieren und dem Maskieren von Diensten. Deaktivieren weist systemd lediglich an, den Dienst nicht automatisch zu starten, während Maskieren noch einen Schritt weiter geht und ihn vollständig am Ausführen hindert. Normalerweise ist Deaktivieren ausreichend, Maskieren ist jedoch vorzuziehen, wenn Dienste trotz Deaktivierung weiterhin neu starten.
Darüber hinaus sollten Sie beim Deaktivieren von Diensten auch andere nicht unbedingt notwendige Dienste überprüfen, die gefahrlos abgeschaltet werden können, wie zum Beispiel:
avahi-daemon.service ModemManager.service thermald.service
Führen Sie vor dem Deaktivieren von Diensten stets gründliche Recherchen durch, da ein Dienst, der auf einem Desktop-System als unnötig erachtet wird, für Laptops oder Server von entscheidender Bedeutung sein kann.
Abschluss
Die Reduzierung unnötiger Dienste kann die Startzeit erheblich verkürzen und die Ressourcennutzung optimieren, insbesondere für Nutzer herkömmlicher Festplatten. Auch bei Systemen mit SSDs trägt die Minimierung ungenutzter Dienste zu einem reibungslosen und effizienten Betrieb bei.
Grafische Anwendungen wie Stacer können zwar bei der Verwaltung von Systemdiensten helfen, ihre Funktionalität kann jedoch eingeschränkt sein oder sie können veralten. Für eine einheitliche Steuerung auf nahezu allen Distributionen bleibt das Kommandozeilen-Tool systemctl die zuverlässigste Lösung.
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